Donnerstag, 10. August 2017

Was kommt denn da auf mich zu?



Zur Belohnung, wenn man gut arbeitet, wird man gelegentlich in höheren Positionen eingesetzt. In der Regel bedeutet dies, dass man mehr Arbeit und mehr Verantwortung hat. Daraus folgt, dass man selbst für Fehler, die andere abgeliefert haben, durchaus mal verantwortlich gemacht wird. Also sind berufliche Aufstiege nicht unbedingt eine Verbesserung. Es sei denn man hat irgendwelche Ziele. Ich weiß nicht, was meine Kollegin für Ziele und Pläne hat, aber wenn sie sich nicht dagegen wehrt, wird sie bald beruflich auf einer Stufe mit Alpha stehen.

Meine Kollegin und ich wollten ja schon länger an einen anderen Standort. Sie kommt nun tatsächlich an den gewünschten Standort. Nur anders als geplant. Sie wird die Hälfte ihrer Arbeitszeit dort als Standortleitung verbringen und die andere Zeit weiter hier. Dumm nur, dass sie hier dann nicht mehr als Maßnahmeleitung tätig sein soll oder kann oder darf. Für mich bedeutet es, dass mein Wohlfühlklima zerstört wird. Zumindest an den Tagen, die meine Kollegin an einem anderen Standort weilt. Dafür werden Brandy und der dritte Mann stärker involviert, was mich auch nicht weiter bringt. Und während mir meine Chefin all das erzählt, fragt sie mich, ob ich diese Maßnahme leiten kann. Anstatt nun schreiend aufzulegen, zu protestieren oder wenigstens zu wimmern, erwidere ich, dass das ja logisch ist, weil ich eh schon da bin und mich auskenne. Manchmal sollte ich wirklich denken bevor ich rede. Denn als Leiter trage ich Verantwortung, was ich schon immer abgelehnt habe. Ich muss mich um Dinge kümmern, um die sich meine Kollegin bis jetzt hervorragend gekümmert hat, und die Mitarbeiter ein wenig dahin lenken, dass sie mir nützlich sind. Und wenn es nicht läuft, wer bekommt dann einen vor den Latz? Genau. Jetzt kann ich nur hoffen, dass meine Kollegin sich gegen ihre neue Aufgabe wehrt oder zusätzlich diese Maßnahme weiter leitet. Alles andere wäre absolut fatal. Während ich noch paralysiert der Chefin zuhöre und weiter antworte als wäre die Entwicklung nur logisch und gar kein Problem für mich, bekomme ich schon die erste Aufgabe gestellt. Der Einsatzplan muss komplett überarbeitet werden und die Teilnehmer entsprechend neu aufgeteilt. Statt sechs habe ich schon bald acht Teilnehmer fest zu betreuen. Noch ist gar nichts offiziell und ich stecke schon mitten drin. Weil ich die Dinge immer einfach passieren lasse, nimmt mein Leben auf meine alten Tage plötzlich eine vollkommen absurde Wendung.

Eigentlich ist das, was sich hier abspielt, eine Unmöglichkeit. Ich bin ein Pubertierender im Körper eines älteren Mannes, der in seinem Berufsleben nie etwas geplant hat. Bisher konnte ich zumeist damit Leben, denn nie zuvor kam jemand auf die Idee, dass ich etwas anderes als einfach nur anwesend bin. Da frage ich mich schon, wie so etwas sein kann. Man muss doch wissen, dass ich damit überfordert bin. Meine fortwährende Unkonzentriertheit und meine Einstellung sprechen eindeutig dagegen mich mit so einer Aufgabe zu betrauen. Unser dritter Mann leitet noch bis Ende des Monats seine Maßnahme und wäre dann frei.  Wieso er keine Option ist, kann ich mir nur damit erklären, dass er entweder nicht will oder weil er in mehreren Projekten einsetzbar ist. Müßig darüber nachzudenken. Die nächste Stufe meiner gnadenlosen Karriere wird gezündet. Fast emotionslos nehme ich es hin, weil  ich wohl so bin.

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